Auch wenn ich seit mittlerweile gut einem Jahr in Berlin lebe und die Stadt mit all ihren Facetten auch schon wirklich lieben gelernt habe, muss ich ja gestehen, dass ich manchmal meine Heimat, das gut alte Ruhrgebiet vermisse. Die Leute im tiefen Westen ticken einfach ein bisschen anders. Wenn man dort selbst noch wohnt, fällt es einem gar nicht auf. Erst wenn man irgendwo anders ist, merkt man plötzlich, dass einem etwas fehlt.
Jaja, als Ruhrgebietlerin hat mans hier nicht so leicht. Oft musste ich mir schon hämische Kommentare anhören, wenn ich mal wieder das i bei Firma oder Kirsche betont habe (O-Ton: „Wird Firma mit drei i geschrieben?“) oder wenn ich mal wieder ein lockeres: „Hömma, watt is datt denn?!“ zum Besten gegeben habe. Für mich ganz normal, hier wohl nicht. Anders kann ich mir die irritierten und schmunzelnden Gesichter nicht erklären. Auf der anderen Seite war es auch für mich anfangs schwer, mit der Berliner Schnauze richtig umzugehen. Wir aus dem Pott würden sagen, da fehlt einfach die Herzlichkeit. Schon einige Male wollte mir ein herzliches aber bestimmtes: „ Kein Arsch inner Hose, aber La Paloma pfeifen.“ (deutsche Übersetzung: Große Klappe, aber nichts dahinter) aus meinem Mund entweichen. Ich habe es mir dann doch verkniffen, um unnötige Feindseligkeiten zu verhindern.
Anfängliche Verwirrung gab es auch bei der Bestellung beim Bäcker. Brötchen heißt hier Schrippe und den im Ruhrpott allseits bekannten Berliner nennt man hier Pfannkuchen (Begründung der Berliner: „Wir sind nicht fett und klebrig!“).
Auch der Umgang mit Fremden läuft hier ein bisschen anders. Das soll nicht heißen, dass die Berliner nicht freundlich sind. Das Gegenteil ist der Fall, sie sind sehr offen Fremden gegenüber. Nur auf eine andere Art und Weise als wir Ruhrpötter. Wenn man hier jemanden nach dem Weg fragt, kriegt man die Wegbeschreibung gesagt. Reicht ja auch, könnte man denken. Nicht so im Ruhrpott! Dort kriegt man erst mal zuhören: Watt? Da willste hin? Ne, glaub mir, da willste nich hin! Da war ich schon ma. Da is scheiße. Geh lieber zum Hennes umme Ecke!“ So läuft das dort. Ernsthaft!
Und an alle, die immer noch denken, dass wir im Pott Schutzhelme für herabstürzende Kohlestücke tragen und jedes Haus einen eigenen Grubenaufzug hat, mit dem wir jeden Mittag unsere Kohle besorgen, dem kann ich nun sagen: Das ist entspricht nicht der Wahrheit!!!
Bei der derzeitigen Ruhr2010 gewähren wir allen Nicht-Ruhrgebietlern einen Einblick in unsere Kultur, Lebensweise und unsere Gastfreundschaft. Vorbeischauen lohnt sich also auf jeden Fall.
Bis dahin machts gut und Tschüssikovski!
Zum Abschied noch zwei Lieder, die das Lebensgefühl und die Liebe zum Ruhrgebiet auf den Punkt bringen und auf keiner Schrebergartenparty im Pott fehlen dürfen!




Mittwoch, Mai 12th, 2010, 21:38 | 



13. Mai 2010 at 18:18
Was eine wunderbare Umschreibung unserer Heimat!
Ich fühl mich gleich immer wieder heimisch, wenn ich in Essen aus dem Zug steige und höre das ich nicht mehr der einzige bin der “wo dat” sagt:)